Neues Tierarzneimittelgesetz tritt am 28. Januar 2022 in Kraft

Jahrelang hat die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) an einen Vorschlag zur Einschränkung des Antibiotikagebrauchs bei Tieren gearbeitet. Dieser ist nun in die Neufassung des Tierarzneimittelgesetz eingeflossen. Was folgt daraus für die Praxis?

Jahrelang hat die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) an einen Vorschlag zur Einschränkung des Antibiotikagebrauchs bei Tieren gearbeitet. Dieser ist nun in die Neufassung des Tierarzneimittelgesetz eingeflossen. Was folgt daraus für die Praxis?

Alle von der WHO als „highly critical“ eingestuften Antibiotika dürfen nur noch in der Humanmedizin eingesetzt werden. Aber auch für weniger kritische Antibiotika werden hohe Hürden gesetzt. In der Zeitschrift „VetImpulse“ vom 1. August folgerte Redakteurin Dagmar Steele, dies könnte „ein totales Verbot für Polymyxin, Makrolide, Fluorchinolone und Cephalosporine der dritten und vierten Generation in der Tiermedizin bedeuten, im schlimmsten Fall kämen Aminoglykoside, Aminopenicilline und Penicilline mit Beta-Lactamase-Inhibitoren hinzu“.

Schon am 9. Juli, als sich die Entwicklung im ENVI (EU-Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit) abzeichnete, hatte der Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) gewarnt, die noch strengeren Kriterien würden zu einem weitreichenden Verbot des Antibiotikaeinsatzes bei Tieren führen. Bpt-Präsident Siegfried Moder erklärte dazu: „Die Abgeordneten verkennen dabei, dass Antibiotikaklassen, die auf die Reserveliste gesetzt werden, nicht nur für lebensmittelerzeugende Tiere verboten werden, sondern für alle Tierarten, also auch für Hunde, Katzen, kleine Heimtiere, Exoten, Pferde und Zootiere, und keine Ausnahmen zulässig sind.“

Die Zahl der für Tiere verfügbaren Antibiotikaklassen sei ohnehin beschränkt. Zusätzliche Einschränkungen würden zu einem erheblichen Therapienotstand führen und damit schwerwiegende Auswirkungen auf die Tiergesundheit und potenziell auch auf die öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit haben, fürchtet Moder. Es wäre nahezu unmöglich, Erkrankungen durch multiresistente Bakterien zu behandeln, die jedoch ein besonderes Risiko für die öffentliche Gesundheit darstellten. Nach Einschätzung von Moder wären bei Haustieren häufige und lebensbedrohliche Erkrankungen wie beispielsweise Lungenentzündung, Pyometra, Peritonitis und Hautinfektionen nicht mehr behandelbar.

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